Gemüse vorziehen: alles, was du wissen musst – Grüne Sprechstunde

Shownotes

Leuchtende und aromatische Früchte und knackiges Gemüse soweit das Auge reicht – welcher Gärtner träumt nicht von einer reichen Gemüseernte? Damit ihr diesen Sommer leckere Tomaten, Paprikas und Co. ernten könnt, verrät euch Werner in unserer neuen Grünen Sprechstunde, welches Gemüse zu welchem Zeitpunkt vorgezogen wird und wie euch die Gemüseanzucht am besten gelingt.

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00:00:00: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unserer Grünen Sprechstunde. Mein Name ist Werner Peitzmann. Ich bin gelernter Gärtner und studierter Gartenbauingenieur und bei COMPO in der Fachberatung tätig.

00:00:13: So ganz allmählich werden die Tage ja wieder länger. Man merkt das schon, dass es eben morgens früher hell wird, abends länger hell bleibt und so allmählich stellen sich dann auch die Fragen, welches Gemüse man denn in diesem Jahr anbauen möchte und wie das sicher funktioniert.

00:00:29: Teilweise ist es eben erforderlich, auch das Gemüse bereits vorzuziehen, damit, wenn es denn ins Freiland gesetzt werden kann, man schon stattliche Jungpflanzen hat, die dann eben auch bald zum Ertrag kommen.

00:00:39: Da ist es einfach wichtig, genau zu gucken, welche Gemüsearten möchte man anbauen, wann sollten die auf der Fensterbank vorgezogen werden, damit einfach ein gutes Ergebnis erzielt werden kann.

00:00:50: Und was wirklich wichtig ist, dabei auch immer im Blick zu behalten, nicht zu früh zu beginnen, das kann schwierig werden. Aber eben auch nicht zu spät zu beginnen. Das würde eben bedeuten, dass man, wenn man denn ins Freiland geht, nur noch sehr kleine Pflanzen hat, die einfach dann so vor sich hin kümmern.

00:01:09: Ich hatte es gerade gesagt, zu früh zu starten ist auch nicht hilfreich, weil da kann es eben sein, dass man seine Jungpflanzen über eine relativ lange Zeit irgendwie in der Wohnung halten muss. Sie möchten eigentlich wachsen, können aber nicht richtig wachsen, weil man da in der Wohnung nicht den Platz dafür hat.

00:01:24: Von der Seite her sollte man sich da wirklich genau informieren, wann man mit welcher Pflanzenart starten sollte.

00:01:31: Die allermeisten Samen benötigen zur Keimung gleichmäßig warme Temperaturen und natürlich Feuchtigkeit.

00:01:37: Die Feuchtigkeit, das ist im Frühjahr in aller Regel im Freiland nicht das ganz große Problem, aber die gleichmäßig warmen Temperaturen, die habe ich eben nicht und oft habe ich auch noch weit im März hinein mit Frost zu tun, was einfach für viele Gemüsearten nicht gut bekömmlich ist.

00:01:54: Einige Gemüsearten, die kann ich bereits im März ins Freiland aussäen. Das wäre beispielsweise die dicke Bohne. Bei Möhren oder Radieschen geht das auch. Das sind aber eben auch Pflanzenarten, die wenig wärmebedürftig sind und da kann ich dann entsprechend auch direkt im Freiland starten.

00:02:11: Viele andere Gemüsepflanzen, die haben es aber gerne warm und brauchen auch relativ viel Zeit für die Fruchtbildung. Das betrifft insbesondere schwerpunktmäßig die sogenannten Fruchtgemüsearten. Da muss ich tatsächlich früh mit starten und denen muss ich auf jeden Fall einen warmen Platz geben. Ansonsten wird das Ganze nicht erfolgreich sein.

00:02:33: Da gilt es dann eben auch mit zu bedenken, vor Mitte Mai, Stichwort die Eisheiligen, kann ich diese Jungpflanzen auch nicht ins Beet setzen, weil die eben so hochgradig frostempfindlich sind. Heißt also, das wäre auch der Zeitpunkt, auf den 15. Mai hin sollte ich die Jungpflanzen produzieren oder anbauen, aber eben auch nicht früher. Das würde nichts Gutes ergeben.

00:02:58: Wenn es eben um diese Fruchtgemüsearten geht, Tomaten, Auberginen, Paprika, Chili, Gurken, Melonen, dann sollte ich damit bereits im Februar beginnen, den Samen entsprechend auszusäen und dann auch die weitere Jungpflanzenanzucht durchzuführen.

00:03:13: Bei anderen Gemüsearten, da reicht es aus, wenn ich im März damit beginne. Das betrifft die ganz klassischen Kohlarten, also Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl, Wirsing, Rotkohl, also etwas, das reicht, wenn ich das im März auch sehe. Und auch andere Gemüsearten wie Mangold oder Rote Beete, die werden auf jeden Fall auch noch gut zum Ertrag kommen, wenn ich damit im März starte.

00:03:35: Es gibt ja wirklich unglaublich viele Gemüsearten, die alle auch so im heimischen Garten angebaut werden können. Um euch da einen entsprechenden Überblick zu geben, verlinken wir in den Shownotes unseren Aussaatkalender. Dort findet ihr die genauen Aussaattermine vieler Gemüsearten, sodass ihr dann auch immer sicher gehen könnt, was wann zu welchem Zeitpunkt ausgesät werden sollte.

00:03:59: Wenn man eben an eine solche Aussaat herangeht, ist es entscheidend wichtig, eine Anzuchterde zu verwenden. Keine klassische Blumenerde, eine Anzuchterde, die sich dadurch auszeichnet, dass sie etwas feiner ist und, dass eben eine Anzuchterde nur sehr wenige Nährstoffe enthält. Das ist nämlich genau richtig, weil eben diese kleinen Jungpflanzen, diese Keimlinge, mit denen man zunächst zu tun hat, sehr empfindlich sind, was eine hohe Nährstoffgabe betrifft. Im weiteren Kulturverlauf ist das zweifellos anders, aber zu Beginn muss das eben eine solche nährstoffarme Anzuchterde sein.

00:04:34: Die Schalen beziehungsweise Töpfe, in die man säen möchte, die sollten gut gefüllt werden mit der Erde und dann sollte das Ganze leicht angedrückt werden. Betonung liegt auf leicht. Je fester ihr andrücken würdet, desto schwieriger würde das für eine Keimwurzel sein, dort einwachsen zu können. Deswegen leicht andrücken reicht.

00:04:53: Der Samen sollte ausgesät werden und da ist es einfach wichtig, einen gewissen Abstand zueinander einzuhalten. So 2 Zentimeter wäre gut, einfach damit die Pflanze, wenn die ausgesät worden ist, zur Keimung kommt, dass sie dann auch zu Beginn direkt ein bisschen Platz hat, wachsen zu können.

00:05:10: Das Ganze sollte mit Erde bedeckt werden. Und da wirklich drauf achten, dass das Ganze nur sehr dünn mit Erde bedeckt wird. Es gibt da eine Faustregel, die man idealerweise einhalten sollte, dass die Erdschicht, mit der man abdeckt, maximal so dick sein sollte wie der Samen selber. Also flapsig gesprochen, den Samen zu vergraben, das wäre kein guter Tipp und das würde eher dazu führen, dass der Samen nicht zur Keimung kommt.

00:05:37: Wenn man die Luftfeuchtigkeit erhöhen möchte, was gerade nach einer Aussaat wichtig ist, dann kann man eine entsprechende Folie über den Topf spannen und mehrere kleine Löcher auch da reinstechen, damit ein gewisser Luftaustausch möglich ist.

00:05:51: Und was man dann auch noch machen sollte, dass eben diese Folie, die man darüber gespannt hat, täglich für einige Minuten abgenommen wird, damit einfach das Ganze mal so ein bisschen atmen kann, weil das ist eine gewisse Gratwanderung. Diese Folie ist wichtig von wegen Feuchtigkeit und auch wegen Temperatur. Aber wenn man das dann dauerhaft da drauf hätte, nicht abnimmt, müsste man damit rechnen, dass sich eine Fäulnis an den Saatkörnern bilden könnte und das wäre natürlich wenig hilfreich.

00:06:16: Der Samen sollte stets feucht, aber nicht nass gehalten werden. Das ist wichtig und oft reicht es aus, wenn man nicht wirklich gießt, sondern mit so 'ner Sprühflasche fein zerstäubt, das Wasser auf den Samen bringt.

00:06:29: Und auch wichtig, dass das Ganze warm gehalten wird. Ein Standort auf einer Fensterbank über einer Heizung, das wäre ideal. Und eben diese sogenannte Fußwärme, die man dann hat, dass es eben von unten her warm wird, das ist ganz wichtig und das fördert auf jeden Fall eine gute und sichere Keimung.

00:06:47: Wenn man feststellt, dass die ersten Samen zu keimen beginnen, das kann schon nach 2-3 Tagen sein. Manchmal dauert es je nach Pflanzenart auch 10 oder 12 Tage, dann sollte wirklich sehr rasch die Folie entfernt werden. Und ein Standort sollte gewählt werden, der ebenfalls sehr warm ist, aber hell ist.

00:07:04: Hell deswegen, damit eben diese Keimlinge, die sich bilden, dass die nicht zu lang werden. Man spricht dann davon, dass die keine langen Hälse bekommen, so sagt man das umgangssprachlich, und dass sich dann auch bald Blattgrün ausbilden kann, was ja ebenso für den Stoffwechsel der Pflanze von ganz, ganz großer Bedeutung ist.

00:07:22: Und dann geht es irgendwann auch daran, die Pflanzen zu pikieren. Man kann auch sagen, zu vereinzeln. Das kann dann eben so sein, dass man sie in Töpfe setzt oder in so Multitopfplatten setzt, je nachdem, was man da zu Hause zur Verfügung hat. Aber eben das Vereinzeln ist da ein ganz wichtiger Punkt und dann ist es eben wichtig, die Pflanzen in den nächsten Wochen gut zu platzieren, dass sie einfach Platz haben, dass sie Licht haben, dass sie gut mit Wasser versorgt werden und was dann auch irgendwann im April stattfinden kann, dass man dem dem Gießwasser ein bisschen was an Flüssigdünger zusetzt, einfach um eine Nährstoffversorgung sicherzustellen.

00:07:59: Und auch das ist dann ab April möglich und denkbar, dass man sie jeden Tag für ein paar Stunden schon mal nach draußen bringt, damit sie sich einfach an die Freilandtemperaturbedingungen und auch an die Freilandlichtbedingungen gewöhnen können.

00:08:12: Und das Auspflanzen der Jungpflanzen ins Beet kann so rund um die Eisheiligen passieren. Stichtag ist da ja der 15. Mai, der Namenstag der kalten Sophia, wie man das so sagt.

00:08:23: Aber man sollte sich nicht auf diesen 15. Mai völlig fokussieren. In manchen Jahren sind tatsächlich diese ganz kalten Temperaturen am 9. Mai vorbei und man, man merkt das dann auch und da kriegt das dann über den längerfristigen Wetterbericht auch mit, dass dann eher warmes Frühlingswetter zu erwarten ist. Da kann man natürlich auch schon ein paar Tage früher pflanzen.00:08:44Und in einigen Jahren ist es auch so, dass dann nass kaltes Wetter herrscht und dann sollte man die Pflanzen tatsächlich noch einige Tage länger in der Wohnung, im Haus belassen, weil dann einfach die Bedingungen dort besser sind als im Freiland.

00:08:57: Im Freiland werden die ganzen Pflanzen dann hoffentlich bald auch gut entwickeln können, gut Frucht bilden können, so dass dann normalerweise einer reichen Ernte auch nichts mehr im Wege stehen sollte.

00:09:08: Ich wünsche euch auf jeden Fall sehr viel Freude bei der Anzucht und natürlich dann entsprechend eine üppige Ernte.

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