Invasive Pflanzen – wenn Pflanzen zum Problem werden

Shownotes

Flieder nicht heimisch? Geranie aus Südafrika? In dieser Folge von „Dein Fleckchen Grün“ starten Gesa und Gartenexperte Werner mit einem Quiz – und das Ergebnis ist überraschender als gedacht.

Denn nicht alle Pflanzen, die wir aus unseren Gärten kennen, sind auch wirklich heimisch. Und manche davon können richtig zum Problem werden. In dieser Folge erklären Gesa und Werner, was invasive Pflanzen von harmlosen Neophyten unterscheidet, welche Arten in Deutschland besonders problematisch sind, und was die EU-Unionsliste damit zu tun hat. Außerdem werfen die beiden einen Blick in den Garten: Wie erkennt man invasive Pflanzen im eigenen Garten, wie wird man sie wieder los – und welche exotischen Pflanzen darf man bedenkenlos anpflanzen?

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00:00:03: Gesa Bambus, was ist mit Bambus? Weil eine Freundin von mir hat Bambus im Garten ausgepflanzt und die verflucht sich dafür, weil sich das Zeug so vermehrt und sie es gar nicht mehr in den Griff kriegt.

00:00:13: Werner Beim Bambus muss man allerdings gucken, es gibt einige Arten, die sind ganz fürchterlich, weil die auch durch ein Mauerwerk durchkommen mit ihren Wurzeln.

00:00:21: Gesa Oha.

00:00:21: Werner Und andere Arten, die sind dann deutlich moderater wachsend. Das kann man machen und was man auch beim Bambus auch immer sagt, dass man den idealerweise mit so einer Wurzelsperre versieht. Muss man nur sehr sorgfältig machen, sonst ist ein Bambus natürlich eine unglaublich unangenehme Pflanzenart und dem kann man auch nicht mit Kälte oder so zu Leibe rücken. Das verträgt er alles, das ist tatsächlich ein Problem.

00:00:47: Gesa Hallo zusammen, los geht es mit einer neuen Folge von 'Dein Fleckchen Grün' und heute starten wir mal mit einem Quiz, dem 'Invasive Pflanzen Quiz'. darum geht es ja in dieser Folge um Pflanzen, die ursprünglich in Deutschland nicht heimisch sind, sich hier aber sehr wohl fühlen, sich ausbreiten und dadurch in der Natur und auch in unseren Gärten zum Teil für Probleme sorgen können. Ich bin Gesa, Journalistin, Moderatorin und leidenschaftliche Hobbygärtnerin und natürlich ist auch wieder Werner dabei, unser Gartenexperte. Hallo Werner.

00:01:20: Werner Hallo Gesa.

00:01:21: Gesa Werner, unser Quiz läuft so ab, du nennst mir jetzt Pflanzen und ich sag dann, ob sie heimisch sind oder nicht heimisch. Also das, was ich denke, oder?

00:01:30: Werner Wir machen das so, ich bin mal gespannt.

00:01:32: Gesa OK., dann leg mal los.

00:01:34: Werner Der Flieder.

00:01:38: Gesa Es geht ja gleich gut los. Warte, lass mich kurz überlegen. Flieder, viel im Garten, aber wenn du schon so anfängst, sag ich nicht heimisch.

00:01:43: Werner Du hast recht, er wird zwar besungen, irgendwie wenn der weiße Flieder blüht und so, aber er ist nicht heimisch, stammt aus Südosteuropa, Balkanregion und Vorderasien.

00:01:52: Gesa Spannend.

00:01:55: Werner E s geht weiter. Der Waldmeister.

00:01:56: Gesa Ach, da würd ich aber auch sagen, heimisch, weil der wächst ja wirklich so in den Wäldern und ist auch so ein altes Heilkraut, heimisch.

00:02:04: Werner Heimisch, in der Tat. Der Rhododendron.

00:02:09: Gesa Haben wir auch viel, ich glaub auch heimisch, oder?

00:02:14: Werner Der ist nicht heimisch, auch wenn man das gar nicht vermuten würde, weil der Rhododendron ist ja so der Klassiker in vielen Gärten, stammt aus dem Himalaya-Gebiet.

00:02:22: Gesa Oh, OK, also von weit her.

00:02:24: Werner Von weit her und man kann es auch ein bisschen daran ablesen, der ist schon gut frostverträglich.

00:02:29: Gesa Ja, nee, da hätt ich jetzt nicht mitgerechnet. OK., nächste.

00:02:33: WernerDie Geranie.

00:02:35: Gesa Geranie, ja, die ist heimisch. Ich meine, das ist ja eigentlich, oder kommt die aus Österreich? Das ist doch immer so der Klassiker an den bayerischen und österreichischen Bauernhäusern.

00:02:43: Werner Nein, nein, die ist überhaupt nicht heimisch und kommt von weit her, aus Südafrika.

00:02:47: Gesa Aus Südafrika?

00:02:50: Werner Bei der Geranie ist es auch so, die ist ja relativ gut trockenheitstolerant, kann man sich ein bisschen vorstellen, weil Südafrika hat man ja durchaus ausgedehnte Trockenphasen.

00:03:01: Gesa Ach, das ist spannend, also das hätte ich jetzt echt nicht gedacht.

00:03:03: Werner Das Gänseblümchen.

00:03:05: Gesa Na ja, das ist heimisch, oder jetzt erzähl mir nicht, dass das nicht heimisch ist.

00:03:08: Werner Das ist in der Tat heimisch, bin ich aber beruhigt.

00:03:11: Werner Das ist auch wirklich so ein Klassiker, klar.

00:03:13: Gesa Bei einigen Pflanzen, da liegt es ja total auf der Hand, bei anderen habe ich mich ja ganz schön verhauen. Heute klären wir deshalb mal ganz in Ruhe, was genau invasive Pflanzen eigentlich sind, woran man die erkennt und warum die auch problematisch sein können. Und natürlich auch, was für heimische Alternativen es gibt, wenn es jetzt darum geht, Pflanzen im Garten anzupflanzen. Also, lass uns doch mal von ganz von vorne anfangen. Was genau ist eigentlich eine invasive Pflanze und warum sollten wir uns überhaupt mit dem Thema beschäftigen?

00:03:42: Werner Eine invasive Pflanze ist auf der einen Seite das im Grunde, was wir auch schon kurz besprochen hatten, eine Pflanzenart, die hier nicht heimisch ist, aber eben noch weitere Eigenschaften hat, und zwar die Eigenschaften, dass die heimischen Arten verdrängt werden und sich die Lebensräume insgesamt dann entsprechend verändern und das macht eben eine invasive Pflanzenart aus, ist irgendwie zugewandert, aber verdrängt dann das, was hier ist.

00:04:06: Gesa Aber sind denn alle Pflanzen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, auch wirklich invasive Pflanzen?

00:04:12: Werner Nein, nein, natürlich nicht, nicht jede eingewanderte Pflanzenart ist invasiv und das ist vielleicht auch ein ganz gutes Stichwort, dass man vielleicht einen Oberbegriff an dieser Stelle noch mal mit einführt, und zwar alles, was an Pflanzen nach Deutschland kommt, das bezeichnet man als Neophyten. Und diese invasiven Arten, das sind dann eben die Pflanzenarten, die Probleme machen, wenn man das so sagen will.

00:04:33: Gesa Ah, verstehe. Also dann sind alle Pflanzen, die nach Deutschland kommen, also die hier nicht heimisch sind, Neophyten. Und da gibt es eine Unterabteilung, die invasiven Pflanzen, und das sind die, die andere verdrängen, also die Bad Guys.

00:04:46: Werner So kann man das sagen. Genau, das ist eine, ja, eine kleine Anzahl von Pflanzen, die dann wirklich problematisch sind. Zwar sind das nicht sehr viele Pflanzenarten, die das sind, aber die machen wirklich richtig Probleme. Und auch das wäre an dieser Stelle sicherlich wichtig, diese Formulierung Neophyt, da sagt man, das sind alles die Pflanzenarten, die nach 1492 nach Deutschland gekommen sind, 1492 eben als das Jahr, in dem Christoph Kolumbus Amerika entdeckt hat.

00:05:13: Gesa Ah, weil da einfach wahrscheinlich ganz, ganz viele neue Pflanzen gekommen sind, ne?

00:05:16: Werner Und teilweise war das ja auch das Ziel, dass man dann unterwegs war, um andere Pflanzenarten einzusammeln, um die in Europa anzusiedeln.

00:05:24: Gesa Ja, aber da kamen ja auch ganz viele sehr nützliche Pflanzen mit, ne, über den Ozean. Kannst du mal ein paar Beispiele für wichtige und nicht invasive Neophyten geben?

00:05:35: Werner Ganz wichtige Arten ist zweifellos die Kartoffel, die Tomate, der Mais, die Sonnenblume und das sind natürlich ganz wichtige Arten, die man ja seit vielen Jahrhunderten auch in Deutschland anbaut, die natürlich für die Ernährung von ganz großer Bedeutung sind, die aber auch völlig unproblematisch sind, gerade bei der Kartoffel oder bei der Tomate, da ist es ja so, dass die hochgradig frostempfindlich sind und da erledigt sich vieles natürlich von alleine, weil die einfach ein Winter hier definitiv nicht überleben.

00:06:02: Gesa Mhm, kannst du denn auch mal ein paar Beispiele für invasive Pflanzen nennen, die es in Deutschland gibt?

00:06:06: Werner Ja, da gibt es beispielsweise den sogenannten japanischen Staudenknöterich.

00:06:11: Gesa Oha, wie sieht der aus, den kenn ich gar nicht.

00:06:13: Werner Puh, beschreiben ist immer so eine Sache, auf jeden Fall ist er sehr groß, wenn man den so wachsen lässt, wird er durchaus 3 Meter 50 hoch und ist einfach unglaublich wüchsig und was bei diesem Staudenknöterich eine große Rolle spielt, dass der unterirdisch sehr viele Rhizome, also so Wurzelausläufer, bildet und dass der dann immer wieder neu aufwächst.

00:06:33: Gesa Ah, den kriegt man nicht richtig weg, dann wahrscheinlich.

00:06:36: Werner Ja, und das ist selbst in der Landwirtschaft ist das ein großes Problem eben mit diesem Staudenknöterich, dass auch Landwirte große Probleme haben, dem Herr zu werden und eben diese Art wegzukriegen. Der Riesenbärenklau, der immer auch so in den Medien mal erwähnt wird, ist auch so eine sehr monströse Pflanze, die innerhalb kurzer Zeit sehr stark wächst und bei diesem Bärenklau ist noch das Problem, wenn man den anfasst, dass es quasi auf der Haut zu Verbrennungen kommt, weil da einfach dann ja Substanzen drauf sind, die verbrennungsähnliche Symptome auslösen.

00:07:07: Gesa Ja, den habe ich tatsächlich auch schon mal gesehen, ne, da standen richtig Warnschilder, das war glaub ich an der Sieg oder so, da gab es ganz viel davon, ne, ist auch glaub ich schwierig, den einfach loszuwerden, weil der in Massen auftritt, dann.

00:07:18: Werner Und weil das wachstumsmäßig wirklich eine wahnsinnig kräftig wachsende Pflanzenart ist. Geht noch weiter, das drüsige Springkraut, das ist allerdings deutlich kleiner. Jetzt hatten wir sehr massiv wachsende Pflanzenarten genannt, das bleibt kleiner, das ist auch nicht ganz so bedrohlich.

00:07:34: Gesa Ist das das, was im Wald wächst, am Wegesrand, wo man immer, wenn man drauf fasst, auf die die Samenkapseln, das so dann auftitscht?

00:07:41: Werner Genau. Ist übrigen im Weiteren verwandt mit dem fleißigen Lieschen. Die gehören irgendwie zusammen, also relativ nah sogar verwandt. Aber das geht in die Richtung, ist aber sehr frostempfindlich. Von daher ist es nicht ganz so dramatisch an der Stelle.

00:07:56: Gesa Und diese ganzen Arten, gibt's da irgendwie 'ne Liste oder wer hält das denn nach, was jetzt invasiv ist und was nicht?

00:08:03: Werner Von der Europäischen Union gibt's eine sogenannte Unionsliste und diese Liste beinhaltet invasive, gebietsfremde Arten. Da führt man dann auf, welche Arten wirklich auch problematisch sind und eben solche Arten, die dann ja, sich schon als problematisch erwiesen haben im Sinne der Biodiversität. Weil wenn man die dann einfach so wachsen ließe, wäre das dauerhaft natürlich für die einheimischen Arten durchaus ein Problem.

00:08:28: Gesa Aber was genau meinst du mit Problem? Also was muss man als invasive Pflanze haben, um auf diese Liste zu kommen? Was machen die konkret?

00:08:35: Werner Im Grunde, die Beispiele, die wir hatten, da waren da schon ganz gut für tauglich. Einmal was das Thema Gesundheit betrifft. Riesenbärenklau, wenn man den anfasst, dass das eben dann Hautreaktionen hervorrufen kann. Infrastruktur, es gibt einige Baumarten, die haben ein so umfangreiches Wurzelwerk, dass dann auch 'nen Radweg oder auch 'n Fußweg hochgedrückt wird. Oder auch Wirtschaft, eben diesen, dieser japanische Staudenknöterich, der wirklich dann auch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen wächst und die für sich beansprucht und vereinnahmt, so dass der Landwirt dann, wenn er nichts weiter unternimmt, da große Probleme hat und einfach gucken muss, dass er diesen Staudenknöterich wieder los wird.

00:09:15: Gesa Und wenn die Pflanzen auf dieser Liste stehen, heißt das dann, dass die besonders bekämpft werden oder was bedeutet das?

00:09:21: Werner Ja, erst mal heißt es, dass sie nicht gezielt mehr verkauft werden dürfen, um sie nicht weiter zu verbreiten und dürfen auch so nicht absichtlich in der Natur gebracht werden, um so vielleicht eine passive Ausbreitung dann zu verhindern.

00:09:33: Gesa O.K., aber weißt du, was ich mich frage? Ich meine, da kommen Pflanzen auf irgendeinem Weg zu uns, weil wir Menschen die rüberbringen, weil durch die Globalisierung irgendwelche Samen zu uns getragen werden, dann sind das ja erstmal Neophyten. Wie werden die denn wirklich dann zu invasiven Arten oder zu Invasoren? Erstmal haben die ja, also denke ich zumindest, alle so die gleichen Bedingungen.

00:09:57: Werner Die gleichen Bedingungen sicherlich schon, aber eben dieser Staudenknöterich beispielsweise, der macht sich dann einfach hier wunderbar breit, weil er sehr gute Wachstumsbedingungen vorfindet. Oft hab ich ja die Situation, dass ausreichend Wasser vorhanden ist, dass auch Nährstoffe vorhanden sind, dass der Staudenknöterich gut mit dem Boden zurechtkommt und dann einfach so unterwegs ist, dass er dann die heimischen Arten verdrängt. Er fühlt sich einfach dann hier wohl und das gilt für andere Pflanzenarten auch, dass sie einfach hier mit den Bedingungen hierzulande sehr gut zurechtkommen.

00:10:29: Gesa Aber kann man die dann nicht einfach in bestimmten Bereichen einfach sein lassen? Ich mein, wenn die dann hier heimisch werden, sag ich jetzt mal, wäre das nicht auch O.K.?

00:10:38: Werner Wenn man möchte, dass es möglichst viele Pflanzenarten gibt, die von Natur aus hier wachsen, dann wäre das sicherlich 'n Problem. Wenn man sie einfach gewähren ließe, ist es mittelfristig schon zu erwarten, dass die Artenvielfalt deutlich zurückgeht.

00:10:51: Gesa Ja, und das wollen wir natürlich nicht. Aber was würdest du sagen, wie viel Prozent der Neophyten werden zu invasoren oder zu invasiven Arten, kann man da irgendwie eine Zahl nennen.

00:11:01: Werner Da gibt es ganz interessanterweise eine sogenannte Zehnerregel, dass so sagt man das, das kommt natürlich nicht auf die auf die letzte Art an, aber so als Zehnerregel, dass es von 1000 eingeschleppten Arten so ist, dass davon nur 100 Arten überleben.

00:11:15: Gesa Das ist ja nicht so viel.

00:11:16: Werner Das ist nicht so viel. Und von den 100 Arten, die zunächst erst mal überleben, etablieren sich auf Dauer nur noch 10 Arten.

00:11:25: Gesa O.K.

00:11:26: Werner Rein zahlenmäßig nicht viel, aber je nachdem, welche Art das dann ist, jetzt komm ich wieder mit meinem japanischen Staudenknöterich, weil das wirklich eine unglaublich aggressive Pflanze ist im Sinne von, die vereinnahmt sehr viel, da hab ich natürlich, wenn ich die wachsen ließe, ein großes Problem.

00:11:42: Gesa Absolut, ja, und früher war das wahrscheinlich einfach kein Thema, weil nicht so viele Pflanzen nach Deutschland gekommen sind, ne, aber seit die Welt so vernetzt ist und man hin und her reist und alles möglich ist, wird das natürlich auch mehr.

00:11:53: Werner Das ist so und weil natürlich auch viele Gartenbesitzer eben solche auswärtigen Pflanzen auch bevorzugen. Und teilweise ist es auch so, auch das ist ein durchaus ein Weg, wie solche Pflanzen nach Deutschland kommen, dass Kulturpflanzen irgendwo in Spanien oder Italien angebaut worden sind. Und dann habe ich irgendwie die Zitruspflanze, den Olivenbaum, den Oleander und dann stehen da vielleicht ein paar Unkräuter oben mit drauf. Die kommen dann auch mit nach Deutschland und sagen, das ist hier gar nicht so übel. Am Mittelmeer ist es so heiß und trocken. In Deutschland ist es nicht ganz so heiß und da regnet es auch häufiger. Hier kommen wir auch gut zurecht.

00:12:29: Gesa Mach ich es mir doch hier mal gemütlich, hier im Garten bei Werner.

00:12:33: Werner Zum Beispiel. Und man merkt das ja auch manchmal bei Tierarten. Du bist ja in Köln ansässig, das ist ja seit Jahren schon Thema, dass da irgendwelche Papageien in einem Park wohl sind.

00:12:44: Gesa Die fliegen durch die ganze Stadt, sind wunderschön. Das sind wirklich leuchtend grüne Papageien, aber die knabbern auch die Bäume ab, räubern wohl auch Nester aus oder verdrängen andere Vögel, habe ich jetzt gelesen. Ja, stimmt, ist genau das Gleiche, nur in der Tierwelt, ne.

00:12:58: Werner Oder hacken an Hausfassaden ihr Nest dann in die Hausfassade hinein, dass sie auch von der Seite ja nicht ganz ohne sind. Und im Grunde bei Pflanzen kann es sehr ähnlich sein, dass es solche Probleme dann eben gibt.

00:13:09: Gesa Aber wie erkenne ich denn jetzt so invasive Arten? Also zum Beispiel bei mir im Garten, woher weiß ich, ob da eine Pflanze, die plötzlich auftaucht, eine invasive ist oder nicht?

00:13:17: Werner Da gibt es sicherlich nicht so das Patentrezept, dass man es wirklich sagen kann, das ist jetzt eine invasive Art und das ist einfach eine neue Pflanzenart, die hier dazu gekommen ist. Es zeigt sich dann eben über die Zeit hinweg, wenn einfach dann andere Pflanzenarten nicht mehr da sind und diese neue Pflanzenart, die dann im Garten wächst, dass die einfach dann sehr viel Raum einnimmt.

00:13:36: Gesa Und was kann ich dann machen?

00:13:37: Werner Da muss man einfach gucken, wie man sie wieder loswerden kann und oft ist einfach dann eine mechanische Art der Bekämpfung das

00:13:44: Werner Einzige, was hilft?

00:13:45: Gesa Also abmähen oder was meinst du?

00:13:47: Werner Abmähen ist oft eine gute Variante, und zwar eben bei solchen Pflanzenarten, die eben diese Rhizome, diese Wurzelstöcke haben, dass man die in der Tat sehr regelmäßig abmäht. Und immer, wenn ein neuer Austrieb gekommen ist, dass der wieder abgeschnitten wird, hat nämlich den Vorteil, dass dann irgendwann die Pflanze aus ihrem Wurzeln alles an Reservestoffen aufgebraucht hat und dann kann das wohl sein, dass sie dann auch vergeht und eingeht, weil einfach immer wieder der Neuaustrieb abgeschnitten worden ist oder abgemäht worden ist.

00:14:15: Gesa O.K. und manchmal muss man aber wahrscheinlich dann auch die Wurzeln mit ausgraben, ne?

00:14:20: Werner Gar keine Frage, aber ist oft nicht so einfach, das muss man ehrlicherweise auch sagen, weil dann reicht es oft aus, dass dann irgendwelche Wurzelstücke, die noch im Boden verblieben sind, dass da die neue Pflanze wieder rauswächst. Geht grundsätzlich, aber das ist schon eine aufwendige Angelegenheit.

00:14:34: Gesa Und kann man die Pflanzenreste dann eigentlich auf den Kompost tun? Da bin ich mir immer so unsicher.

00:14:39: Werner Bei Problempflanzen sollte man es nicht tun, weil einfach da die Gefahr relativ groß ist, dass da vielleicht doch noch ein paar Samenkapseln sind und sich dann eine erneute Verbreitung ergibt. Oder auch das ist ja denkbar, dass der Kompost doch nicht ganz so gut die die Wärme produziert, die ansonsten ja solche Pflanzen dann auch zerstört, dass es einfach übrigbleibt und dass ich dann über den Kompost eine neue Verbreitung dieser Pflanzenart erreiche. Das wäre oft eben ein Problem dabei bei einem Kompost. Von daher sollte man es dann eher über den Restmüll oder über eine kommunale Grüngutannahme entsorgen.

00:15:15: Gesa Aber wir hatten es vorhin schon mal ganz kurz angesprochen, Thema gute Invasoren oder das sind dann ja eigentlich eher Neophyten, sagt man dann, ne? Du hattest schon mal Kartoffeln, also so Nutzpflanzen, Kartoffeln, Mais genannt, gibt es auch so im Blumenbereich oder im ja, wie soll ich sagen, im dekorative Pflanzenbereich noch Neophyten, die man einfach auch gut im Garten anpflanzen kann?

00:15:38: Werner Mhm, gibt es einige Arten und da kann man auch wirklich sagen, die sind völlig unproblematisch, weil die nie sich so wahnsinnig ausbreiten. Ein gutes Beispiel wäre der Granatapfel. Kommt ursprünglich, wenn ich das so richtig weiß, aus dem Iran, Nordindien, aus dem Bereich. Ist nicht zu 100% frosthart hierzulande, aber in den milden Gebieten, in den wintermilden Gebieten funktioniert das. Und ist es eine durchaus attraktive Pflanze, da kommen auch Früchte dran, die sind dann vielleicht nicht ganz so groß wie die, die man kaufen kann, aber da hat man natürlich auch was zu ernten und es ist eine durchaus exotische Obstart, die man hier auch mittlerweile ganz gut anbauen kann. Man könnte sie auspflanzen oder man kann sie natürlich auch in einem in einem Topf kultivieren, das geht natürlich auch.

00:16:20: Gesa Das wusste ich gar nicht, beziehungsweise doch, wir hatten das irgendwann schon mal angesprochen, aber könnte man die dann tatsächlich, sag jetzt mal in Freiburg oder Süddeutschland, bei sich in den Garten pflanzen und dann irgendwann hat man dann Bäumchen und kann da Granatapfel ernten.

00:16:33: Werner Das geht ja.

00:16:33: Gesa Das ist ja toll.

00:16:34: Werner Wo das beispielsweise hervorragend geht, ist der Feigenbaum, alte biblische Pflanze und der Feigenbaum funktioniert hier auch mittlerweile wirklich ganz unproblematisch und jetzt hattest du gerade Freiburg und die Gegend angesprochen, da wächst der richtig als normaler Baum wie andere Gehölze auch und gehört einfach mit dazu. Was bei einer Feige mal passieren könnte, wenn es wirklich einen sehr kalten Winter mal geben sollte, dass er ein Stück weit zurückfriert, dann würde man die Pflanzenteile abschneiden, die wirklich erfroren sind und dann wächst er von unten wieder nach. Das geht also bei einer Feige relativ unproblematisch. Irgendwo im Erzgebirge oder so wird das sicherlich nicht klappen, aber im Flachland, in den Weinbaugegenden, so sagt man das, funktioniert das ohne Probleme.

00:17:19: Gesa Und wie schätzt du das für Köln ein?

00:17:21: Werner Überhaupt kein Problem.

00:17:21: Gesa Bei uns ist ja eigentlich auch immer relativ warm, mildes Klima.

00:17:25: Werner Überhaupt kein Problem.

00:17:26: Gesa Wie stehst denn du zu Palmen?

00:17:27: Werner Ja, auch 'ne gute Möglichkeit, auch 'ne ein Neophyt im eigenen Garten zu haben, weil die Gartenyucca, das ist so der deutsche Name dazu, stammt ursprünglich aus Amerika, gehört zu den Agavengewächsen und auch die Pflanzenart kann man hier einpflanzen und die funktioniert auch in den wintermilden Gebieten. Also da, wo man auch tatsächlich mit 'nem kalten Winter rechnen muss, da sollte man vorsichtig sein. Aber manchmal kann man es auch versuchen und wenn man merkt, es wird richtig kalt, dass man die Palme dann einwickelt mit einem Frostschutzmaterial, dann würde das oft auch funktionieren.

00:18:01: Gesa Kleines Wintermäntelchen drüberziehen, genau.

00:18:04: Werner Ja, dass das einfach nicht so austrocknet und dann kann man schon eine ganze Menge an Kälteeinwirkung noch mit aufhalten.

00:18:10: Gesa O.K., also das heißt ja, man kann schon auch exotische Pflanzen in den Garten setzen, ohne sich da jetzt Gedanken machen zu müssen, dass das in irgendeiner Art problematisch ist.

00:18:19: Werner Das geht sehr gut und das sind dann alles solche Pflanzenarten, die jetzt nicht das Bedürfnis haben, sich so wahnsinnig üppig ausbreiten zu wollen.

00:18:27: Gesa Bambus, was ist mit Bambus? Weil eine Freundin von mir hat Bambus im Garten ausgepflanzt und die verflucht sich dafür, weil sich das Zeug so vermehrt und sie es gar nicht mehr im Griff kriegt.

00:18:37: Werner Beim Bambus muss man allerdings gucken. Es gibt einige Arten, die sind ganz fürchterlich, weil die auch durch ein Mauerwerk durchkommen mit ihren Wurzeln.

00:18:45: Gesa Oha.

00:18:46: Werner Und andere Arten, die sind dann deutlich moderater wachsend. Das kann man machen und was man auch beim Bambus auch immer sagt, dass man den idealerweise in so einem mit so einer Wurzelsperre versieht, muss man nur sehr sorgfältig machen, sonst ist ein Bambus natürlich eine unglaublich unangenehme Pflanzenart und dem kann man auch nicht mit Kälte oder so zu Leibe rücken. Das verträgt er alles, das ist tatsächlich ein Problem.

00:19:08: Gesa Hilft nur noch ausgraben, dann wahrscheinlich, ne.

00:19:10: Werner Ja, aber da ist genau das Thema beim Ausgraben des Bambusses, wenn ich da Wurzelstücke übersehe, wächst der weiter. Dann habe ich vielleicht in einem Jahr den Eindruck, das funktioniert alles gut und ich war erfolgreich und dann geht es von vorne wieder los.

00:19:23: Gesa O.K., aber weißt du, was mir gerade noch eingefallen ist? Will ich nur mal kurz anmerken. Es gibt doch auch einen Artikel zu 'Bunte Vielfalt: Exotische Pflanzen in Ihrem Garten'. Den könnten wir doch mal in die Shownotes verlinken. Und dann habe ich noch ein ganz persönliches Thema: Hacken. Also genauer gesagt, Kirschlorbeer. Den habe ich nämlich im Garten, habe ich mit meinem Schrebergarten übernommen, eine riesige Kirschlorbeerhecke. Und jetzt habe ich neulich die Nachricht gekriegt, dass die weg muss. Das ist im Garten nicht mehr gern gesehen und versteh ich auch, aber warum genau eigentlich?

00:20:00: Werner Kirschlorbeer jetzt, wenn man es rein praktisch betrachtet, hat ein Kirschlorbeer ja durchaus einige Vorteile. Ist sehr schnell wachsend, wenn man Kirschlorbeerpflanzen kauft, sind die verhältnismäßig preiswert. Der lässt sich auch einigermaßen gut schneiden, das muss man alles durchaus anerkennen. Und ja, man hat sich in deutschen Gärten auch dran gewöhnt, eben an Kirschlorbeere. Das das ist tatsächlich so. Auf der anderen Seite ist es auch eine Pflanzenart, die heimische Arten verdrängt. ist sicherlich nicht so massiv wie, jetzt komme ich wieder mit meinem Staudenknöterich, so aggressiv wächst die Pflanzenart nicht, aber sie verdrängt schon und manchmal sieht man das auch, dass offensichtlich Vögel den Samen von Kirschlorbeerpflanzen weitergetragen haben und dann irgendwo an einer ganz anderen Stelle Kirschlorbeer wächst und aufgeht.

00:20:46: Gesa Also würde der schon als 'ne invasive Art bezeichnet werden?

00:20:49: Werner Könnte man so sagen, ja, aber wie gesagt, eher moderat noch. Da gibt's schon einige Arten, die noch deutlich schwieriger sind. Die Blätter sind schwer kompostierbar, das ist ja relativ ledrig, geht natürlich irgendwann auch, aber ist jetzt nicht der Knaller, was Kompost angeht.

00:21:04: Gesa Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht.

00:21:06: Werner Und ja, dann ist es oft ja auch, das kriegen wir auch so in der Fachberatung oft mit, die Frage nach der Giftigkeit. Und tatsächlich ist das auch so, dass die Blätter und die Samen giftige Stoffe enthalten. Das muss man eindeutig so sagen. Das muss man allerdings dann auch ein bisschen relativierend mit hinzufügen. Die Wahrscheinlichkeit ist natürlich sehr gering, dass da eine Vergiftung durchaus gelöst wird, weil die Blätter sind jetzt nicht so einladend, als dass man sie isst und die Früchte im Grunde auch nicht. Also, ich habe das noch nie mitbekommen, dass das jetzt bei Mensch oder Tier wirklich zu einer Vergiftung geführt hat. Aber wenn man ehrlich ist, muss man sagen, ja, da steckt auch ein bisschen was an Giftigkeit dahinter.

00:21:48: Gesa Und warum ist der dann so beliebt? Ich meine, das war ja wirklich mal so ein Boom vor einigen Jahren, wo alle überall nur noch Kirschlorbeerhecken gepflanzt haben.

00:21:55: Werner Einerseits natürlich, weil er sehr schnell wächst. Er ist immer grün. Auch im Winter habe ich dann einen vollständigen Sichtschutz. Er ist natürlich auch sehr bekannt und wird in großer Anzahl in den Gartencentern und Baumärkten angeboten. Das muss man schon sagen und die gibt es wirklich für relativ kleines Geld und viele Gartenbesitzer orientieren sich dann daran, was machen die Nachbarn, wo kann ich eine Heckenpflanze kaufen, die eben nicht so teuer ist?

00:22:20: Gesa Ja, klar, kann man auch verstehen, ne? Und der ist ja jetzt, so wie ich das bei dir verstanden hab, nicht verboten. Dann ist das so wie bei uns im Garten, einfach dass sich dann eben eine Gartengemeinschaft dazu entscheidet, dass der nicht mehr Teil des Gartens sein soll.

00:22:33: Werner Genau, verboten ist er nicht. Zur Ehrenrettung des Kirschlorbeers kann man vielleicht auch noch sagen, von der Schattenwirkung ist das gut und auch Vögel finden das ganz schön und bauen da ihre Nester rein, weil das geht relativ gut. Das muss man tatsächlich zu Ehrenrettung sagen. Und es gibt ja auch durchaus heimische Arten, die eben auch als Alternative dienen könnten. Das wäre so eine Buchenhecke beispielsweise, das passt ganz gut. Weißdornschlehe wären auch Alternativen, das muss man mögen, weil das natürlich schon eine pieksige Angelegenheit ist, wenn man die dann stutzt, gar keine Frage. Eine Haselnusshecke kann man auch machen, wenn man den Haselnuss in Form hält, geht das auch gut. Und das ist auch sicherlich so für die Tierwelt immer auch noch eine ganz attraktive Angelegenheit.

00:23:16: Gesa Stimmt, Haselnuss könnt ich mir auch gut vorstellen bei uns. Ja, bei Schlehen, da hat man ja auch immer das Problem und weiß dann, dass die sich sehr stark ausbreiten, da kommen ja die Triebe auch immer an der Seite wieder hoch.

00:23:25: Werner Ja, ja, das ist schon so, zwar heimischer Art, breiten sich gut aus und wie gesagt, das Schneiden ist jetzt nicht vergnügungssteuerpflichtig.

00:23:33: Gesa Was würdest du denn sagen, wie geht es weiter mit den invasiven Pflanzen? Werden das jetzt immer mehr oder ist das eher so, weil jetzt ein Bewusstsein da ist? Tun die Menschen auch was dagegen und es wird weniger? Was meinst du?

00:23:45: Werner Ich glaube, das ist so auf beiden Seiten nicht wirklich einzuschätzen. Auf der einen Seite Weil wir ja auch über diese Unionsliste gesprochen haben, möchte man ja schon auch von politischer Seite her, dass das eben nicht mehr wird, eben bei diesen problematischen Arten. Und auf der anderen Seite von wegen Globalisierung ist es immer so, dass natürlich auch andere Arten wieder dazu kommen. Und dann sind wir wieder bei dieser Zehnerregel, dass natürlich viele Arten kommen, aber sich nur ganz wenige Arten tatsächlich als invasiv darstellen dann am Ende.

00:24:14: Gesa Und was heißt das so ganz konkret für unseren Umgang mit invasiven Pflanzen?

00:24:18: Werner Was natürlich immer gut ist, da wirklich sehr sensibel zu sein. Und wenn man eine Pflanzenart nach Deutschland einführt, da werden wir beiden vermutlich relativ wenig mit zu tun haben. Aber das wären jetzt so Jungpflanzenbetriebe beispielsweise, dass sie natürlich schon sehr genau gucken sollten, was es für eine Art ist. Und wir hatten vorhin schon über diesen Riesenbärenklau mal gesprochen. Das ist ja mal eine Art gewesen, die als Zierpflanze nach Deutschland gekommen ist, als Staudenart quasi. Und dann hat die sich ein Stück weit verselbstständigt und eben ja nicht nur die heimischen Gärten dann begrünt, in Anführungszeichen, sondern man findet sie auch so in der freien Natur. Da muss man natürlich schon als jemand, der Pflanzen nach Deutschland bringt, auch wirklich sehr vorsichtig sein und viermal hingucken, damit eben sowas idealerweise nicht noch mal passiert. Man muss das alles schon sehr ernst nehmen. Also bin ich jetzt kein Freund davon, das irgendwie als Bagatelle zu betrachten, aber es sind eben Pflanzen. Und das heimische Klima ist jetzt nicht so extrem, wie vielleicht irgendwo in den Tropen, wo man mit allem Möglichen rechnen muss. Das ist das deutsche Klima jetzt nicht und oft ist es eben auch der winterliche Frost oder auch die winterliche Vegetationsruhe, die dafür sorgt, dass viele Pflanzenarten sich hier einfach nicht etablieren können. Von daher schon mit wachem Auge das Ganze betrachten, aber jetzt irgendwie Panik zu schieben oder große Angst zu haben, das ist an der Stelle vielleicht auch nicht angeraten.

00:25:41: Gesa Ja, vielleicht kann man es auch so zusammenfassen, im Garten geht es nicht nur darum, was schön aussieht oder was vielleicht schnell wächst, sondern halt auch manchmal darum, dass man ein bisschen genauer hinschaut und einfach darauf achtet, welche Pflanzen passen wirklich gut in meinen Garten oder welche breiten sich vielleicht problematisch aus. Und wenn ihr noch Fragen oder auch Themenwünsche habt, dann schreibt uns doch gerne unter podcast@compo.de und lasst uns bei der Gelegenheit auch gerne ein Like da. Macht's gut und bis ganz bald bei Dein Fleckchen Grün. Tschüss.

00:26:11: Werner Tschüss.

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